20 JAHRE DANACH

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Ciancele
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20 JAHRE DANACH

Messaggio da Ciancele » martedì 27 settembre 2011, 9:46

Mitteleuropa
20 Jahre danach
Seit dem schicksalhaften 9. November 1989 sind inzwischen 22 Jahre vergangen. Damals wollten zwei Nationen gleicher Sprache und Abstammung – Westdeutschland und Ostdeutschland – nach über 40 Jahren der Trennung endlich wieder vereint sein. Am 3. Oktober wird die Wiedervereinigung, der Tag der Deutschen Einheit, gefeiert. Haben wir aber Grund zum Feiern? Haben wir nicht damit eine wirtschaftliche Last auf uns gelegt, unter der wir vielleicht zusammenbrechen werden? Nach der anfänglichen Euphorie herrschte bei beiden Teilen eine gewisse Unzufriedenheit: bei den Ostdeutschen (auch Ossis genannt), weil sie nicht sofort den westdeutschen Standard erreicht haben; bei den Westdeutschen (auch Wessis genannt), weil sie nun viel kürzer treten mussten.
Bei dieser Gelegenheit erinnere ich mich an meine Triester Zeit nach dem Kriege und an die viele Flüchtlinge, die Schutz in Triest gesucht haben. Ich erinnere mich an einen Leserbrief, in dem der Triestiner geschrieben hat, er möchte keine Sonderbehandlung, er möchte lediglich wie ein Flüchtling behandelt werden. Viele Triestiner waren damals unzufrieden.
Wir dürfen nicht vergessen, dass wir eine in jeder Hinsicht marode Wirtschaft vorgefunden haben, leere Kassen, veraltete Anlagen, kein Know-how. Eigeninitiative war in dem sozialen Staat, in dem die Partei für alles gesorgt hat, ein Fremdwort. Im Westen, im reichen Westdeutschland, ist man oft allein gelassen. Wer nicht sich selbst helfen kann, wer sich auf den Staat verlässt, ist meistens verlassen.
Inzwischen fahren viele ehemaligen Ossis einen Bänz (Daimler-Benz) als Zeichen des Wohlstands. Das tun auch andere, erst kürzlich der EU beigetretene Bürger (z. B. Polen). Nach 22 Jahren sind die meisten Bürger aus den neuen Bundesländern, insbesondere die jungen, voll integriert und tragen die Last zusammen mit den alten Bundesländern.
Damals hat man politisch ausnahmsweise sofort gehandelt. Die Gelegenheit war günstig (frei nach Schiller). Als die Macher wurden damals Herr Helmut Kohl als Bundeskanzler und Herr Hans-Dietrich Genscher als Außenminister gefeiert. Wie beim Skat fehlt hier der dritte Mann: Herr Michail Gorbatschow. Ohne seine stillschweigende Zustimmung wäre alles nicht möglich gewesen. Ihm gebührt also auch ein besonderer Dank. Die Chefs der DDR waren vermutlich froh, dass ihnen im Prinzip nichts passiert war.
Jetzt können wir wieder Deutschland, Deutschland über alles singen. Nicht im Sinne eines falschen oder falsch verstandenen Pangermanismus, sondern im Sinne eines Landes, in dem Bürger einer Sprache endlich zusammen vereint sind.
Oft höre ich, dass sich die Geschichte wiederholt.
Dabei muss ich an die Römer und die Etrusker denken. Rom hat Etrurien vereinnahmt und dabei gedacht: Endlich können wir die Etrusker beherrschen. Die Quittung kam zugleich: Tarquinio Prisco und Tarquinio il Superbo.
Aus den sogenannten neuen Bundesländern haben wir fünf Ministerpräsidenten und den Bundeskanzler. Das war’s.



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Re: 20 JAHRE DANACH

Messaggio da babatriestina » martedì 27 settembre 2011, 11:00

Ciancele ha scritto:Herr Michail Gorbatschow. Ohne seine stillschweigende Zustimmung wäre alles nicht möglich gewesen. Ihm gebührt also auch ein besonderer Dank. Die Chefs der DDR waren vermutlich froh, dass ihnen im Prinzip nichts passiert war.
.
Sehr wirklich


"mi credo che i scrivi sta roba per insempiar la gente" ( La Cittadella)

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